Home

Übersichtskarte

Reiseberichte

Hintergrund

Forum

Fotoalbum

Links

Fun-Zine.de

Hintergrundinformationen über ein Praktikum in Südafrika

Sicherlich habt Ihr Euch bereits gefragt, bei welchen afrikanischen Stamm ich untergekommen bin und wie meine mit Stroh bedeckte Lehmhütte aussieht. Nun ja, ich lebe in einem Land in dem es keinen Polarstern gibt, die Sonne gegen Mittag im Norden steht und das Wasser im Waschbecken anstatt rechts links herum abfließt.

Klingt zwar ganz nett, ganz so einfach ist das dann natürlich auch wieder nicht. Hauptsächlich hielten wir uns in der kleinsten südafrikanischen Provinz „Gauteng“ (Sotho: „Platz des Goldes“) im Norden des Landes auf. Den Namen wählten die Afrikaner aufgrund der vielfältigen Goldvorkommen in dieser Region. Gauteng ist mit 19.500 qkm die kleinste aber dichtbesiedelste der neuen Provinzen in Südafrika. Hier leben über 7,1 Mio. Menschen, davon ca. 40 % Weiße. In der Provinz Gauteng konzentriert sich Geld, Macht und Industrie des Landes, so dass dort die Hälfte des südafrikanischen Bruttoinlandproduktes erwirtschaftet wird. Die größten Städte in der Provinz sind Pretoria, Soweto und Johannesburg (Joh´burg). So konzentrieren sich zum Beispiel große weltweit tätige Unternehmen im Umland der Landeshauptstadt Pretoria sowie in der Provinzhauptstadt Joh´burg. Die Provinz befindet sich ca. 1.000 m über dem Meeresspiegel und bietet dem Besucher im Herbst eine typisch ausgetrocknete afrikanische Graslandschaft. Aufgrund der geringen Regenwahrscheinlichkeit im Winter (Juni bis August) ist ein idealer Zeitpunkt für den Aufenthalt in Gauteng. Wenn Stürme und starke Regenfälle die Küste des Indischen Ozeans und Kapstadt kennzeichnen, bleibt es im Inland rund um Gauteng recht trocken. Der häufig wunderschöner hellblaue Himmel macht das Reisen bei ca. 25° C im trockenen Inland für einen Europäer sehr angenehm. Die Provinz Gauteng ermöglicht den Menschen aufgrund der guten zentralen Lage gute Reisemöglichkeiten zu den schönsten Regionen und Nationalparks in den Nachbarprovinzen.

Die Großstädte mit ihren bessergestellten Vororten gleichen den europäischen und amerikanischen Städten. Aufgrund des recht jungen Alters der Städte des Landes prägen moderne Gebäude das Stadtbild in Südafrika. Vereinzelt wird der Besucher alte erhaltene Gebäude aus der Kolonialzeit finden. Für uns sehr geschichtlich geprägten Europäer leider oft zu wenige. Aufgrund der großen Weiten und des vielen Platzes hat der Besucher oft bei vielen ländlichen Kleinstädtchen das Gefühl, einer ziellosen Bebauung ohne eines alten Stadtkernes vorzufinden. Bedeutende Großstädte wie Pretoria sind dabei natürlich eine Ausnahme.

Während unseres Aufenthaltes lebten wir in den südöstlichen Vororten von Pretoria Newlands und Ferrie Glen. Die Gegend war etwas hügelig und an den Berghängen reihten sich wunderschöne Wohnhäuser mit Palmengärten. Diese Vororte waren für südafrikanische Verhältnisse ein relativ sicherer Ort, so dass die Möglichkeit gering war, Opfer eines Raubüberfalls zu werden. Vorsicht ist jedoch in Südafrika höchstes Gebot! In den ersten Monaten lebte ich in einen kleinem Gästehaus in Vorort Newlands zusammen mit 3 deutschen Studenten. Später lebte ich jedoch bei einer südafrikanischen Familie in Ferrie Glen. Wir wohnten in einem kleinen möblierten Zimmer mit einem eigenen Bad. Die Unterkunft war im typisch englisch und teilweise kolonial Styl eingerichtet. Manche Sachen waren für unsere deutschen Sichtweisen etwas zu kitschig, aber ganz nett. Die meisten Häuser verfügten aufgrund der heißen Temperaturen im Sommer über einen eigenen Swimming-Pool. Der mit Salzwasser gefüllter Swimmingpool sorgt in den heißen Sommermonaten, in denen hier schon einmal Schlappe 45°C normal sein können, für genügend Abkühlung. Da Südafrika sich jedoch auf der Südhalbkugel der Erde befindet, hatte der Herbst bzw. Winter mit einigen Regennächten begonnen und sorgt für erträgliche Tagestemperaturen zwischen 25 bis 30°C.

Da es immer mehr arme arbeitslose Menschen von den ländlichen Gebieten mit großer Hoffnung in die Städte ziehen, prägen arme Viertel das Stadtbild. Viele dieser Menschen leben auf der Straße oder kommen in Zeiten der Apartheid entstandenen Townships unter. In diesen Townships lebt hauptsächlich die farbige Bevölkerung. Neben relativ gut rekonstruierten Gebäuden prägen alte Bretterbuden oder Blechhütten das Bild der Townships. An vielen Orten gibt es kein direkten Trinkwasseranschluss oder elektrischen Strom. Aufgrund der sehr armen Verhältnisse der Bewohner und der damit immer steigenden Kriminalität sollte keine Tourist oder Weißer diese Orte allein besuchen. Nachts werden manche Townships mit großen Laternen so ausgeleuchtet, dass der Besucher den Anschein hat, bei dem Township handelt es sich um ein riesiges Arbeitslager. Vielleicht liegt das aber auch nur an unseren deutschen Vergangenheit. Heute gibt es aber auch Townships, in dem sich bereits ein gesunder Mittelstand ausgebildet hat.

Im Südenwesten von Pretoria im Ort Centurion/Zwartkop befindet sich das Gelände der DaimlerChrysler South Africa. Da das Unternehmen mit seinen Tochtergesellschaften nur im Service wie Finanzdienstleistungen, Versicherungen sowie Flottenmanagement tätig ist, existierten kein großes Industriegebiet mit Fabrikhallen, sondern liegt in der Nähe eines kleinen wunderschönen Naturschutzgebietes. Das Firmengelände ist sehr übersichtlich und von einem See mit Palmen umgeben. Aufgrund der hohen Temperaturen arbeitet die Belegschaft in klimatisierten Großraumbüros, ohne bei den heißen Tagestemperaturen schwitzen zu müssen. Mein Tätigkeitsbereich war in der Abteilung Financial Controlling. Südafrikaner sind eher sehr freundliche und hilfsbereite Menschen. Das Interessante aber auch gleichzeitig die größte Herausforderung an der Arbeit ist die Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen fremden Kulturen. Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern, Indien, Asien, Europa sowie aus dem Schwabenland arbeiten auf engsten Raum zusammen. Natürlich konnten wir auch Sachsen in Südafrika treffen. Die Kommunikation verläuft in Englisch oder Afrikaans (ähnlich holländisch). Manchmal hört man jedoch auch die typische Konzernsprache des DaimlerChrysler Konzerns – Schwäbisch.

Im Vergleich zu Deutschland fahren Südafrikaner im Linksverkehr und Autos älterer Versionen. Das bedeutet so mancher verspotteter blauer Golf II wäre hier ein Luxus. In Südafrika wird beispielsweise noch der Golf I sowie der alte VW Bus fabrikneu gebaut. Es ist schon etwas ungewöhnlich für einen Europäer, einen nagelneuen Golf I im Straßenverkehr zu sehen. Die Straßen in Gauteng sind zum größten Teil asphaltiert und der Besucher kann ein normales Auto zur Fortbewegung nutzen. Wer jedoch sehr individuell in die ländlichen Gegenden oder in einem Nationalpark reisen möchte, sollte eher aufgrund der Sandwege bzw. der schlechten Straßenzustände einen Jeep mit 4x4 Antrieb bevorzugen. Eine weit aus größere Gefahr stellen hier die wilden Tiere auf der Straße in der Nacht dar. Man stelle sich mal vor, man stößt mit einem Nashorn oder Flußpferd zusammen. Die sind schließlich etwas größer als unsere einheimischen Rehe. Ansonsten macht das Auto fahren in Südafrika vor allen für Off Road Fans viel Spaß.

Matthias

Unsere Empfehlungen:

Unser ständiger Begleiter, der Reiseführer von Reise Know-How

Ein fesselndes Buch über einen Straßenjungen
Der Chronist der Winde von Henning Mankell

Geschichte einer Familie im Krüger Park
Ich trage Afrika im Herzen von Kobi Krüger

Geschichte eines Mädchens aus einem Township
Mein Herz blieb in Afrika von Miriam Mathabane

Afrikanische Nächte
von Kuki Gallmann

Karibu heißt willkommen
von Stefanie Zweig

Verheißene Erde
von James A. Michener